Eine Stadt leidet unter der revolutionären Moderne - 13. Oktober 2015

Der vierte von sechs Vorträgen von Dr. Volkmar Stein zur Geschichte der Stadt Büdingen.

Dieses Mal ging es um die Zeitspanne zwischen der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und dem Ende der Kaiserzeit, also von 1806 bis 1918, dem „langen 19. Jahrhundert“. Büdingen ist nun nicht mehr die Residenzstadt eines kleinen Territoriums, sondern gehört mitsamt der ehemaligen Grafschaft einem größeren Gebiet an – zunächst dem Rheinbundfürstentum Isenburg, dann dem Großherzogtum Hessen. Das Deutschland der größeren und kleineren Monarchien, seit 1871 „mit Blut und Eisen“ kleindeutsch geeint, endet im grausamen Ersten Weltkrieg.

„Eine Stadt leidet unter der revolutionären Moderne“ hat der Autor diese Epoche überschrieben – und er wird zeigen, in welchem Maße sich die Stadtverfassung, die Stadtgestalt, das wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Leben Büdingens in diesem Jahrhundert änderten. In seiner Formulierung kommt auch zum Ausdruck, dass er diese Stadt nicht gerade zu den Siegern der gewaltigen und gewaltsamen Modernitätsschübe rechnet.

Für das Verständnis der deutschen und auch der Büdinger Geschichte lieferte Volkmar Stein keine historische Faktenbündelung, sondern schaffte politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge, die die Einordnung der Büdinger Entwicklung in einen größeren Rahmen ermöglichten.

In seinem Buch „Büdingen – Ein Versuch zur Geschichte der Stadt“ zeigt Dr. Volkmar Stein von der Vorzeit bis heute für jede Epoche zuerst das historische Umfeld auf, in dem Büdingen sich entwickeln konnte: Siedlungsgeschichte, regionale, hessische und später auch gesamtdeutsche Politik. Dabei greift er einzelne Aspekte des Büdinger Alltags auf, die typisch für die jeweilige Zeit sind. Er gibt damit einen Überblick über Büdingens Geschichte, der heutige Gegebenheiten und Eigenheiten der Stadt verständlich und nachvollziehbar macht. Doch ist dieses Buch viel mehr als nur ein Nachschlagewerk - es ist eine hochinteressante Lektüre, die zum Nachdenken, Erinnern und oft zum Schmunzeln anregt.