Die Eisenbahn in Oberhessen - 28. Mai 2013

Am 23. Mai referierte Dr. Bernd Vielsmeier im Büdinger Heuson-Museum über „Eisenbahnen in Oberhessen“. Die erste Eisenbahnlinie in Hessen wurde 1840 zwischen Frankfurt und Mainz eröffnet. Es war die erste internationale Eisenbahnlinie der Welt. Sie verkehrte auf dem Territorium der Freien Stadt Frankfurt am Main, dem Großherzogtum Hessen und dem Herzogtum Nassau. Die Reaktionen auf den Bau von Eisenbahnen als neues Verkehrsmittel reichten von Begeisterung über Skepsis bis hin zur strikten Ablehnung – in Oberhessen sprachen einige vom „Duhrevuchel“ (Totenvogel), wenn sie von der Eisenbahn sprachen. In den Anfängen sah der Staat den Bau von Eisenbahnen als Aufgabe der vermögenden Privatleute, die den Eisenbahnbau über Aktiengesellschaften mit Aussicht auf Profit finanzierten. Es sollte sich aber relativ schnell auch der Staat als Bauherr sehen, wenn es um den Bau der Hauptverbindungsstrecken ging. Als erste große Strecke wurde – mit vielen Hindernissen durch die Eigeninteressen der drei beteiligten Staatswesen, der Freien Stadt Frankfurt, dem Kurfürstentum Hessen und dem Großherzogtum Hessen – die Main-Weser-Bahn 1852 eröffnet. Als private Bahnlinien wurden die beiden Strecken Gießen – Fulda und Gießen – Gelnhausen Ende der sechziger Jahre gebaut und 1871 in Betrieb genommen. Schon bald zeigte sich, dass die beiden Strecken der privaten Oberhessischen Eisenbahnen nicht das erwartete Aufkommen im Personenverkehr und im Gütertransport erbrachten. Bis zum Bau von weiteren Nebenbahnen zur Erschließung der Provinz Oberhessen durch das Großherzogtum Hessen sollte es bis in die achtziger Jahre dauern. Hessen besaß bis zum Ersten Weltkrieg eines der dichtesten Eisenbahnnetze in Deutschland. Die größte Ausdehnung des Eisenbahnnetzes war 1938 erreicht. Ab 1953 kam es zur Stilllegung und zum Abbau von Strecken – ein Trend, der erst in den letzten Jahrzehnten seinen Abschluss fand und zum Ausbau und zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs führte.