Die Büdinger und Kurmainzer Hexenprozesse im Vergleich - 12. März 2013

„Hexen im Regen“ lautet der Titel einer Artikelserie des Münchner Professors Wolfgang Behringer, die vor etwa zehn Jahren in der FAZ erschien. Schon vorher hatte Walter Nieß den Einfluss klimatischer Faktoren auf das Entstehen der Verfahren gegen die so genannten Hexen aufgezeigt und sie seinem Buch über „Hexenprozesse in der Grafschaft Büdingen“ zugrunde gelegt.

Klimatische Faktoren reichen aber als Erklärung für die Ursache nicht aus. Dies zeigte Dr. Horst Gebhard in seinem Vortrag „Die Büdinger und Kurmainzer Prozesse – ein Vergleich“. Warum starben in Büdingen fast nur Frauen auf dem Scheiterhaufen, aber nur fünf Männer, während der Männeranteil in Kurmainz über 20 Prozent ausmachte? Warum saßen beim Hexentanz in Kurmainz Reiche und Arme an getrennten Tischen, in Büdingen aber nicht? Warum fielen in Mainz fast alle Bäcker und Müller den Hexenprozessen zum Opfer? Eine Güterkonfiskation wie in Mainz, welche hoch war und primär zum Bau des Aschaffenburger Schlosses gebraucht wurde, gab es in Büdingen nicht. Dafür wurden die Hexen fast generell lebend verbrannt, während in Mainz den Opfern vorher der Kopf abgeschlagen wurde. Die Reihe dieser Unterschiede ließe sich vielfach erweitern.

Der Hauptunterschied zwischen den beiden Ländern bestand in der territorialen Größe und in der unterschiedlichen Verwaltungs- und Verfassungsstruktur. Im Erzstift Mainz brachten die zahlreichen Prozesse der Verwaltung keine übergroßen Probleme und die Vielschichtigkeit im Erzstift machte Opposition möglich.

Zwei Kräfte haben die Ausbreitung der Hexeninquisition gefördert, die Jesuiten im katholischen und die Calvinisten im evangelischen Bereich. Jesuiten und Calviner waren es aber auch, die dem Hexenmythos ein Ende bereiteten. In Mainz hörten die Verfahren nach 1629 allmählich auf, weil Erzbischof Anselm Kasimir Wambold von Umstadt, dessen Vater Beisitzer beim Reichskammergericht in Speyer war, Realindizien forderte und bloße Besagungen ablehnte. Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (1647 – 1673) verbot als erster deutscher Fürst die Hexereiverfahren. Die Grafschaft Hanau, die die calvinistische Konfession angenommen hatte, unterdrückte schon im frühen 17. Jahrhundert die Hexenprozesse. In dem mainzisch-hanauischen Kondominium in Freigericht setzte sich Hanau mit dieser Meinung durch. Warum dies im Fürstentum Büdingen nicht gelang und nicht einmal angedacht wurde, ist nicht nachvollziehbar.

Für beide Gebiete liegen ganz verschiedene Hexenideologien vor. Die katholischen Staaten sahen sich von einer Teufelssekte bedroht. In der Grafschaft Büdingen spielten der Abfall von Gott und die Teufelstaufe eine Rolle. Den Abfall von Gott sah man in der Zuwendung zu heidnischen Bräuchen. Die Kräuterfrauen, und dazu gehörten fast alle Frauen, sprachen über den Heilkräutern christlich-heidnische Segnungen aus.