Heute vor 200 Jahren - Napoleon I. in Rußland - 30. Oktober 2012

Am 30.10.2012 hielt Bernd Uhlmann im Büdinger Heuson-Museum einen Vortrag über Napoleons Rußland-Feldzug. Nach seinem Feldzug in Italien 1797 sieht Napoleon nur noch England als Hauptgegner. 1798 beginnt er den Feldzug in Ägypten mit den Worten: „Um England wirklich zu zerstören, muss man es in Ägypten treffen.“ Als Kaiser versucht er zwei Jahre lang einen Tunnel unter dem Ärmelkanal zu bauen, doch dann überrennen seine trainierten und motivierten Armeen die alten Monarchien Europas. In Tilsit teilt er sich die Welt mit dem Zaren und es wird die Kontinentalsperre gegen England vereinbart.

Im Herbst 1808 veranstaltet Napoleon einen pompösen Fürstentag in Erfurt, um dem Zaren zu imponieren und die Kontinentalsperre mit ihm zu verstärken. Zudem will er dessen Schwester heiraten. Durch Verrat von Talleyrand, Napoleons einstigem Minister, verweigert der Zar jede präzise Zusage. Jetzt wird die Grande Armee aufgestellt, die Rußland mit wenigen Schlachten vernichten soll, um sich dann voll auf England zu stürzen.

Hier ergeben sich unglaubliche Parallelen zur Logik und Taktik des Dritten Reiches, für das auch England der letzte, unbezwingbare Gegner schien.  Das Ausweichen der Russen führt Napoleon im Oktober 1812 bis nach Moskau, wo er wie in einer Falle sitzt, ohne Verbindung oder Versorgung, umgeben von der unbesiegten russischen Armee. Nach dem Brand von Moskau erfolgte der überstürzte, unvorbereitete Rückmarsch. Hunger, Entbehrung, ständige Attacken, Dezimierung der Armee, nur Teile können die Beresina überschreiten und sich in das befreundete Polen retten. Doch hier, im Dezember 1812, schlägt der Winter richtig zu und bringt die Reste der Grande Armee zur Auflösung.

Jetzt verdrehen sich die ideologischen Werte; die Preußen mit von Stein, Lützow u. a. Reformern, versprechen Freiheit und Gleichheit nach dem Befreiungskrieg. Napoleon, der die Werte der Aufklärung und der Revolution nach ganz Europa tragen wollte, wird zum Unterdrücker, der nur noch die befreundeten Monarchien sichern will – vor allem die Königreiche seiner Brüder. In Paris stellt er eine neue Armee auf. Seine Generäle warnen ihn, mit diesen unausgebildeten Truppen nochmals den Rhein zu überschreiten. In der Völkerschlacht von Leipzig im Oktober 1813 wird Napoleon endgültig aus Mitteleuropa vertrieben.