Vortrag zur Geschichte der „Präsenz“ in Büdingen - 14. Juni 2012

Christian Vogel, der erste Vorsitzende der Vereinigung für Heimatgeschichte, referierte über die Geschichte der Büdinger Präsenz. In den letzten Wochen ist die „Präsenz“ in Büdingen in die Schlagzeilen geraten. Was unter dem schlichten Wort zu verstehen ist, wusste niemand so recht. „Präsenz“ war für die interessierte Öffentlichkeit nicht mehr als eine unbestimmte Vermögensmasse mit kirchlichen Bestandteilen, die unter dem bloßen Namen auftrat, ohne dass es eine Satzung gegeben hätte oder deren Vertreter mehr tun mussten, als zu sagen, sie seien die Vertreter.

Nach näherer Betrachtung erweist sich die Sache als weniger mysteriös. Es handelt sich schlicht um das Vermögen der evangelischen Kirchengemeinde Büdingen. Durch den Papst kam es an das Kloster Marienborn, von dort durch die Reformation an den Staat der Ysenburger in Büdingen und von diesem wiederum an den Staat der Großherzöge in Darmstadt, der endgültig 1853 dem jeweiligen „Standesherren“ der auf dem Papier noch als Standesherrschaft bestehenden Grafschaft Ysenburg und Büdingen in Büdingen die weitere Verwaltung der Präsenz beließ, als Staatsbeauftragtem und unter strikter Kontrolle des Staates.

Die Familie Ysenburg – die lediglich den Standesherren stellte – hatte damit nichts zu tun. Nach der Revolution von 1918 gab es keinen Standesherren mehr, so dass die Verwaltung der Präsenz vom neuen Volksstaat wahrgenommen werden musste, der sie nach der neuen Verfassung an die evangelische Kirche weitergeben konnte, wenn diese damit einverstanden war. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten des Umgangs der Deutschen mit Revolutionen, dass das Gegenteil eintrat und Mitglieder der Familie Ysenburg seither die ihrem Charakter nach staatliche Verwaltung der Präsenz ohne jede Kontrolle ausgeübt haben. Der Referent verfügte über besondere Sachkunde, da er die amtlichen Ermittlungen zur Geschichte der Präsenz geleistet hat.