Schloss Büdingen

Zwischen 1180 und 1200 dürfte die Wasserburg im Seemental entstanden sein, die nach Grundriss und Ausführung enge Parallelen zu Gelnhausen aufweist. Daher dürfte die Pfalzbauhütte, zumindest Meister und leitende Steinmetzen, auch in Büdingen tätig geworden sein. Auch hier wurde zunächst eine mächtige Ringmauer emporgezogen, die sich als Dreizehneck der idealen Rundform annäherte. Geeigneter Sandstein als wichtigster Baustoff stand in unmittelbarer Nähe am Berghang an. Die Ringmauer zeigt die für ihre Zeit typischen Buckelquadern, ein Import aus den Kreuzfahrerstaaten, die auf monumentale Wirkung berechnet waren und die auch bei dem Steinkoloss in der Büdinger Niederung die Zeitgenossen beeindrucken sollten. Wohl gleichzeitig entstand als kleineres Pendant im Südosten des Reichswaldes die Wasserburg Wächtersbach. Noch das Weistum des Büdinger Waldes von 1380 nennt die besonderen Aufgaben der beiden Plätze als königliche Jagdburgen: wenn der Kaiser von der Pfalz Gelnhausen aus im Reichsforst „pirschen“ wollte, waren dort kostbare Jagdwaffen, ein edles Pferd und besondere Jagdhunde bereit zu halten.
In Büdingen lehnten sich der Torbau, ein Saalbau (Palas) als Wohngebäude und die übliche Burgkapelle an die Ringmauer an, während der Bergfried sich zunächst im Osten des Innenhofes erhob; weitere hölzerne Bauten sind zu vermuten Doch bald ergab sich ein Problem: das Trinkwasser aus dem Untergrund war ungenießbar, da es sich mit salziger Sole vermischte, die unweit der Burg aus der Tiefe aufstieg. So musste das Wasser durch Brunnenröhren zugeführt werden, zunächst auch in eine Art Zisterne im Untergeschoss des ersten Bergfrieds. Dieser Turm erlitt schon bald Zerstörungen, vermutlich in den Kämpfen des Jahres 1241 am Ausgang der Stauferzeit, sein Nachfolger wurde umgehend am Toreingang errichtet.
Mit dem Ende der Herren von Büdingen und dem gleichzeitigen Zerfall des staufischen Machtsystems ergaben sich nach 1250 dann Chancen für neue Familien zum Aufbau einer eigenen Herrschaft. Hier waren es die Herren von Ysenburg, deren Stammburg im Westerwald lag, denen als Miterben der Alt-Büdinger Dynasten ein allmählicher Aufstieg gelang. Sie konnten sich in den Besitz der Burg Büdingen setzen, als Zentrum eines kleinen Territoriums, das sie rund um den Büdinger Wald aufbauten. Nachdem ihr Gebiet durch die Falkensteiner Erbschaft 1418 eine wesentliche Vergrößerung vor allem in der Dreieich südlich des Mains erfahren hatte, wurden die Ysenburger 1442 zu Reichsgrafen erhoben. Unter den Grafen Diether und Ludwig II. drückte sich der neue Rang auch im Ausbau ihrer Residenz aus: Büdingen zeigt im 15. Jahrhundert exemplarisch die Entwicklung von der wehrhaften Burg zum wohnlichen Schloss, mit dem („Krummen“-)Saalbau im Osten und dem Küchenbau im Süden als zeitgemäßen Wohnbereichen mit repräsentativen Sälen und einer Erschließung durch Treppentürme. Das Rund der Innenbauten wurde durch die prächtige spätgotische Schlosskapelle vollendet, die Graf Ludwig II. zwischen 1495 und 1497 über der älteren Kapelle (nunmehr Weinkeller) errichten ließ. Erhalten blieb das prachtvolle Chorgestühl, das zwei Wormser Bildschnitzer mit reichem Figuren- und Wappenschmuck versahen.
Innere Uneinigkeit in der Familie ließ das Schloss nicht unberührt. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde es zwischen zwei entstehenden Linien geteilt, die sich nach den Sitzen Ronneburg und Birstein nannten. Dies wurde in Büdingen an den jeweiligen Wohnbereichen durch Wappen und anderen Zierrat demonstriert, am auffälligsten durch den in der teuren Farbe Azurit gehaltenen Erker, den Graf Anthon (1501-1560) nach einer Privilegierung durch Kaiser Karl V. 1547 am Saalbau anbringen ließ. Der kunstsinnige Graf, ein echter Vertreter der Renaissance, hat in seinem Teil auch eine Abfolge prachtvoller Wandmalereien anlegen lassen, die lange unter Tünche verschwunden waren und erst bei den umfassenden Restaurierungen seit 1948 in ihrer alten Schönheit wieder zum Vorschein kamen. Davon ist eine Allegorie der Musik besonders bemerkenswert, aber auch eine Sauhatz vor einem winterlichen Dorf oder ein Raum, in dem sich der antike Herkules und Samson, der Held des Alten Testaments, mit ihren Taten brüsten, bieten optischen Genuss. Da dem Onkel Anthons und Mitbewohner des Schlosses, Graf Johann (1476-1533), ein festlicher Saal fehlte, ließ er den Wachtbau in der Vorburg entsprechend umbauen, von dessen Erker zur Stadtseite hin noch sein steinernes Bild und das seiner Frau, Gräfin Anna von Schwarzburg, die Besucher freundlich anblicken. Die mächtige Ringmauer ließ keine Erweiterung der Kernburg zu, so dass einige Bauten mit der Zeit aufgestockt wurden, selbst der Kapelle, die durch die Reformation an sakraler Bedeutung verlor, wurde ein Wohngeschoss aufgesetzt.
Nachdem das Territorium 1601 wieder in der Hand des Grafen Wolfgang Ernst I. (1560-1633) zusammenfiel, wurde Büdingen zunächst nicht mehr als Domizil benötigt, doch ließ der baufreudige Herr auch dem alten Stammsitz seine Sorgfalt angedeihen, wie der Schmuck der Brunnenstube am „Dicken Turm“ ausweist. Die langen Kriegsjahre führten schließlich 1635 zu einer Katastrophe für die zahlreichen Nachkommen von Graf Wolfgang Ernst, denen der Kaiser wegen der Parteinahme für Schweden die Grafschaft entzog und sie der Sequesterverwaltung des ärgsten Gegners, des Landgrafen von Hessen, unterstellte. Erst 1642 und endgültig mit dem Westfälischen Frieden 1648 kehrten die Ysenburger aus dem Exil in ihr ausgeplündertes Land zurück. Schloss Büdingen hatte zwar keine gravierenden Zerstörungen erlitten, der altertümliche, vernachlässigte Bau war aber nur noch schwer zu bewohnen. So spielte Graf Johann Ernst (1625-1673) sogar mit dem Gedanken, die Wasserburg ganz zu verlassen und mit seiner Familie in den neu errichteten, befestigten Hof Thiergarten umzuziehen. Doch sein auch im Bauwesen erfahrener Hofmeister namens König ließ 1673 den maroden „Küchenbau“, den traditionellen Wohntrakt, entkernen und ein großzügiges Treppenhaus einbauen, dem zum Innenhof hin ein prächtiges Portal mit Säulen und Wappenschmuck entsprach, das mit seinem Knorpelwerk dem Schlossbau einen deutlichen barocken Akzent hinzufügt.
Die Grafenfamilie musste sich in der Folge mit der altertümlichen Wasserburg arrangieren und in der heißen Jahreszeit dem Modergeruch der Gräben in die Sommer- und Jagdschlösschen Thiergarten oder Christinenhof entfliehen. Ein Abbruch und Ersetzung durch eine barocke Schlossanlage kam nicht in Frage, einmal wegen der beschränkten finanziellen Mittel, zum andern blieb Schloss Büdingen bis zum Ende des Alten Reiches als Zubehör zum Büdinger Wald ein Reichslehen, das vom jeweiligen Kaiser in Wien immer wieder neu zu vergeben war. Dann aber wurde in der Zeit der Spätromantik der Zauber der mittelalterlichen Burg wie nach einem langen „Dornröschenschlaf“ wieder entdeckt, das einzigartige Bauwerk in seinem Wert erkannt. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab der an der Geschichte seines Hauses interessierte Erbprinz, nachmalig Fürst Ernst Casimir II. (1806-1861), der Schlosskapelle ihre Würde und Schönheit zurück, unter anderem durch eine Ausstattung mit spätgotischen Kunstwerken, die seit der Reformation auf Kirchendachböden verstaubten. Der Fürst legte museale Sammlungen an und scharte einen kleinen Kreis von Kunst- und Geschichtsfreunden um sich. Zu ihnen gehörte der Darmstädter Maler Rudolf Hofmann (1820-1882), der sich ab 1846 mehrere Jahre im Schloss aufhielt und hier den „Romantikersaal“ im Küchenbau mit Szenen aus Geschichte und Sagenwelt der Ysenburger ausmalte, gruppiert um die mittelalterlichen Kernthemen Jagd, Minne und Krieg, ein Bilderreigen, der in seiner Qualität nur mit der „Sängerlaube“ auf der Wartburg zu vergleichen ist, an der Hofmann ebenfalls mitgewirkt hat.
Unter den zahllosen deutschen Schlossbauten ragt Büdingen dadurch hervor, dass hier die wesentlichen Elemente einer Burg aus der Zeit Barbarossas im Kern erhalten blieben, sich aber mit Ausbauten der folgenden Epochen und Kunststile zu einer malerischen Einheit verbanden, die kaum Störungen erfuhr. Der Kernburg gliedern sich die ovale Vorburg und der „Stallhof“ mit seinen alten Wirtschaftsgebäuden harmonisch an.

Quelle: Dr. Klaus-Peter Decker 

Der Schlossbereich erstreckt sich zwischen der Straße Am Hain, dem Seemenbach, dem Damm am Oberhof und der Altstadt.

Das Schloss mit Bergfried und Wohngebäuden.

 

Grundriss der Schlossanlage aus der Publikation „Schloss Büdingen“ von Karl Dielmann.

Im Schlosspark befinden sich folgende historisch wertvollen Gebäude:

Am Hain 1, Gartenhaus
Das Gartenhaus ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit im Original erhaltenen bleiverglasten Fenstern und einer barocken Freitreppe mit Balustergeländern aus Sandstein an der Rückseite.

Am Hain 3, Waisenhaus
Das Waisenhaus ist ein Fachwerkbau mit Zwerchhaus, Freitreppenanlage und Wirtschaftsgebäuden, erbaut um 1715.

Am Hain 9, Ehemaliges Schießhaus
Das Schießhaus ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit flachem Walmdach, Anfang des 19. Jahrhunderts im Stil des Klassizismus erbaut.