Büdinger Alltag im Ersten Weltkrieg, 23. August - 20. November 2014

Am 28. Juni 2014 jährte sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkriegs. Die Ausstellung „Büdinger Alltag im Ersten Weltkrieg“ beschäftigte sich unter lokalgeschichtlichen Gesichtspunkten mit dem Thema.

Viele Bürger hatten Erinnerungen, Dokumente und Objekte als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Zusammen mit den Sammlungsstücken aus dem Museum konfrontierten sie den Betrachter mit Überbleibseln aus einer Zeit stark nationalistischer und militärischer Prägung.

Dazu wurden auf 22 Plakaten verschiedene Themen dargestellt, die die Auswirkungen des Kriegs auf die Bevölkerung in Büdingen unter vielfältigen Aspekten darlegten. Vorgeschichte und Mobilmachung, die Liste der Gefallenen und der jüdischen Kriegsteilnehmer standen am Anfang. Einen Schwerpunkt bildete die Kriegswirtschaft mit ihren massiven Auswirkungen auf das Alltagsleben: Sei es die Verteuerung der Lebensmittel, der Ersatz importierter Gewürze durch inländische Kräuter oder der Steckrübenwinter 1916/17. 

Die militärische Vorbereitung der Jugend sowie deren Haltung zum Krieg wurden ebenso thematisiert wie das Büdinger Kriegslazarett. Kriegswirtschaft in Büdingen wäre ohne die Arbeit der Kriegsgefangenen nicht möglich gewesen. Deshalb wurde diesem Bereich hohe Aufmerksamkeit gewidmet.

Ein weiteres Thema der Ausstellung war die Kriegspropaganda auf zeitgenössischen Postkarten. Als weitere Beispiele waren Reden und Zeitungsartikel zu sehen, in denen der Tod fürs Vaterland hochgejubelt wurde.

Aber Postkarten dienten auch – wie am Beispiel des Büdingers Heinrich Kranz gezeigt wurde – der Kommunikation zwischen den Soldaten und ihren Familien. Hier entstanden im Verlauf der Kriegsjahre regelrechte Kriegstagebücher durch die Feldpost an die Lieben daheim.

 

 

Das Buch zur Ausstellung: Büdinger Alltag im Ersten Weltkrieg

Zur Ausstellung „Büdinger Alltag im Ersten Weltkrieg“ hat der Geschichtsverein ein gleichnamiges Buch herausgegeben. Es ist keine Abhandlung der Geschehnisse in der Weltpolitik, sondern versucht aufzuzeigen, wie die Bewohner der Stadt Büdingen den Ersten Weltkrieg erlebt haben. Im Büdinger Stadtarchiv sind zahlreiche Dokumente dieser Zeit erhalten geblieben, von denen ein Teil  in dieses Buch übernommen wurde.

In der öffentlichen Erinnerungskultur war der Erste Weltkrieg lange überlagert vom Zweiten Weltkrieg, dessen Dimensionen der Grausamkeit alles Vorherige noch übertrafen. Vergleiche mit der politischen Situation vor 1914 bedürfen differenzierter Betrachtung, aber damals wie heute gilt: Kriege kommen nicht einfach über die Menschheit. Es gibt Ursachen und Interessen und solange Waffen in großem Stil exportiert werden, kann ihre Anwendung nicht verhindert werden. Die Bilder und Texte dieses Buches wollen dazu beitragen, gegen das Vergessen anzugehen, auch um Erkenntnisse für heutiges politisches Handeln zu gewinnen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Im ersten Teil schreibt Dr. Volkmar Stein über die Lebenssituation in Büdingen und verknüpft seine Ausführungen in großen Zügen mit dem Kriegsgeschehen auf europäischer Ebene. Er zitiert in seinem Essay oft aus dem „Büdinger Allgemeinen Anzeiger“ und stellt das retuschierte Bild des Krieges in dieser Zeitung den tatsächlichen Gegebenheiten gegenüber. Die Kriegspropaganda hat Erfolg, wie auch die Prüfungsarbeiten einiger Büdinger Abiturienten zeigen. Nur langsam kehrt - mit wachsendem Hunger der Bevölkerung und steigender Zahl toter Soldaten - Ernüchterung ein.

Den zweiten Teil bildet als rares Zeitdokument das Kriegstagebuch von Wilhelm Reichhold. Dieser hat seine gesamte Kriegszeit, quer durch Europa, akribisch festgehalten. Seine Aufzeichnungen vermitteln einen authentischen Eindruck der erlebten Wirklichkeit. Der dritte Teil des Buches ist ein Kriegstagebuch in Postkarten, die der Büdinger Heinrich Kranz an seine Lieben zu Hause geschickt hat.

Im letzten Teil des Buches sind zeitgenössische Dokumente aus Büdingen enthalten, die einen plastischen Eindruck vom zivilen Leben, das in allen Bereichen vom Krieg überlagert wurde, vermitteln.

Softcover, 357 Seiten, 101 s/w- und 26 Farbbilder, 17,00 € zuz. 2,00 € Versand

Sie erhalten es im Heuson-Museum
oder bei

Joachim Cott, Am Wildenstein 11, 63654 Büdingen
Telefon: 06042 952334 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! geschichtswerkstatt-buedingen.de